Türk Dış Politikası Sunuşu - ''NATO Partneri Türkiye, Doğu ve Batı Arasındaki Özel Rolü ve AB ile İlişkileri''

Serhat Aksen 27.03.2014

NATO-Partner Türkei- Die besondere Rolle an der Nahtstelle von Orient und Okzident und das Verhältnis zur EU –

Verehrte Gäste,
Meine Damen und Herren,

Zuerst möchte ich mich bei allen, die sich für die Organisation dieser Veranstaltung eingesetzt haben, allen voran der “Gesellschaft für Wehr - und Sicherheitspolitik e.V. Sektionen Karlsruhe und Ortenau” und dem Verein “Deutsche Atlantische Gesellschaft e.V. Regionalkreis Karlsruhe” sowie allen Kooperationspartnern herzlich bedanken. In diesem Sinne begrüβe ich Sie alle recht herzlich.

Ich möchte meinen Vortrag zum Thema “NATO-Partner Türkei- Die besondere Rolle an der Nahtstelle von Orient und Okzident und das Verhältnis zur EU” auf drei Grundpfeiler aufbauen:
Als erstes werde ich versuchen, den Rahmen der vielfältigen Auβenpolitik der Türkei kurz und allgemein darzustellen. Zweitens werde ich Ihnen Auskunft über die Beziehungen zwischen der Türkei und der NATO geben. Als letztes werde ich die Beziehungen zwischen der Türkei und der EU beurteilen.

Zuerst komme ich auf

1- DIE VIELFÄLTIGE AUβENPOLITIK DER TÜRKEI:

Unser Auβenminister Herr Prof. Dr. Ahmet Davutoğlu besagt in seinem Buch „Strategic Depth“ (Strategische Tiefe)
„Geografisch gesehen ist die Türkei ein zentrales Land zwischen Afrika und Eurasien, das viele verschiedene regionale Identitäten beinhaltet. Weder geografisch noch kulturell gesehen, kann man das Land nicht auf eine einzige Region bzw. Identität zurückführen. Diese multiple Identität verleiht ihr Manöverfähigkeiten in mehreren Regionen gleichzeitig.“
Die türkische Außenpolitik ist sehr vielfältig. Die Türkische Außenpolitik gestaltet sich multidimensional.
Wir haben Beziehungen mit:
1. unseren direkten Nachbarn (Unsere Nachbarn sind etwas anders als Deutschlands Nachbarländer, unsere sind z.B. Iran, Irak und Syrien)

Weiterhin haben wir Beziehungen mit

2. der Europäischen Union
3. den Ländern des Südlichen Kaukasus
4. den Ländern des Balkans
5. den Ländern Zentralasiens
6. den afrikanischen Ländern
7. Nordamerika und Südamerika

Die Türkei steht in fast allen internationalen Organisationen wie der NATO, dem Europarat, der OSZE und der OECD Seite an Seite mit den Ländern Europas und spielt dort eine wichtige Rolle. Die Türkei ist gleichzeitig Mitglied der Organisation für Islamische Zusammenarbeit. Auβerdem hat sie einen Beobachterstatus und einen strategischen Partnerstatus in der Organisation für Afrikanische Einheit. Weiterhin hat sie in der Organisation Amerikanischer Staaten einen Status der Ständigen Vertretung. Als ein Land, das gleichzeitig Mitglied in westlichen und islamischen Organisationen ist, steht die Türkei gemeinsam mit Spanien an der Spitze der „Allianz der Zivilisationen“ unter der Schirmherrschaft der UNO.

Die Türkei ist heute ökonomisch und politisch gesehen in so gut wie allen Ecken der Welt aktiv.
Diese multiple Zugehörigkeit ist tatsächlich ein wertvolles Kapital, das für uns die Ausübung einer aktiven und wirksamen Außenpolitik in vielen unterschiedlichen Regionen unserer Umgebung ermöglicht. Die Förderung des Friedens, der Stabilität und des Fortschritts sind unsere wichtigen Prioritäten. Mit diesem Verständnis haben wir angefangen, in unserer Nachbarschaft und darüber hinaus eine proaktive und visionäre Außenpolitik zu verfolgen. Immer wieder müssen wir die großen Bürden der Konflikte in unserer Nachbarschaft tragen. Ich denke, dass Sie interessiert daran sein werden, wenn ich als kleinen Exkurs auf das Thema Syrien und Syrische Flüchtlinge eingehe:

SYRISCHE FLÜCHTLINGE :


Wir haben eine 991 km lange Grenze mit Syrien. Diese künstliche Grenze, die am Ende des Ersten Weltkrieges gezogen wurde, hat viele Dörfer und Familien entzweit. Seit Anfang des Syrienkonfliktes haben wir eine Politik der „Offenen Tür“ für syrische Flüchtlinge verfolgt. Wir haben diese Flüchtlinge niemals im Stich gelassen und sie nie an der Grenze abgewiesen. Auch wenn es nur vorübergehend ist, haben wir diesen Menschen ein Zuhause gegeben. Von Anbeginn haben wir die Leidenden mit offenen Armen empfangen. Heute leben mehr als 700.000 syrische Flüchtlinge in der Türkei. Abgesehen davon, dass die Zahlen sich immer wieder ändern, sind bis heute etwa mehr als 6.000 syrische Kinder in diesen Zufluchtscamps auf die Welt gekommen. Tagtäglich melden sich etwa 9.000 Menschen in Gesundheitszentren an. Bislang wurden über 1,5 Millionen Syrer in diesen Zentren medizinisch versorgt. Über 28.000 Syrer haben sich medizinischen Operationen unterziehen lassen. Über 38.000 werden stationär in Krankenhäusern behandelt. Mittlerweile können syrische Flüchtlinge auch kostenlose medizinische Versorgung in staatlichen Krankenhäusern erhalten. Man kann sich die Kosten für das türkische Gesundheitssystem und was die Türkei zu opfern bereit ist, vorstellen. Aber damit nicht genug.

Wir haben unsere Bemühungen und Opferbereitschaft nicht nur auf die Grundversorgung dieser hilfsbedürftigen Menschen beschränkt. Wir versuchen auch syrischen Jugendlichen eine Chance auf Bildung in unserem Land zu geben. Über 1.900 Lehrer waren in den Schutzlagern im Einsatz, um mehr als 45.000 Schülern Unterricht zu erteilen. Über 27.000 erwachsene Syrer haben bislang ihr fachliches Lehrprogramm absolviert. Insgesamt wurden von der türkischen Regierung bis heute mehr als 2,5 Mrd. $ für die Unterkunft und Versorgung der syrischen Flüchtlinge ausgegeben. Was die humanitäre Hilfe dieser notleidenden Menschen betrifft, sollte die Türkei als glänzendes Beispiel für viele Industriestaaten dienen. Angesichts der humanitären Katastrophe in Syrien und der Verschlechterung der Lage dort, sind die Bemühungen Europas schwer zu verstehen. Die internationale Gemeinschaft- allen voran Europa- muss sich der Verantwortung stellen und ihren Teil der finanziellen Last ernsthafter übernehmen, d.h. Aufstockung der Hilfefonds für die Flüchtlinge. Auch sollten die einzelnen Mitgliedsstaaten der Weltgemeinschaft ihren Beitrag zur Unterstützung der Nachbarn von Syrien leisten, die unmittelbar und am allerhärtesten von der Krise betroffen sind. Wir erwarten mehr Solidarität, vor allem von unseren Partnern.


Bei all dem dürfen wir eines nicht aus den Augen verlieren:
Diese humanitäre Tragödie ist das Resultat einer politischen und militärischen Krise, vor der wir unsere Augen nicht verschließen dürfen. Wenn es diese erschreckenden Ereignisse der letzten Jahre in Syrien nicht gegeben hätte, würden wir heute nicht über diese Flüchtlingslage sprechen.

Den Exkurs zum Thema Syrien möchte ich hier abschlieβen und zum Thema Beziehungen zwischen der Türkei und NATO übergehen.

II- BEZIEHUNGEN ZWISCHEN DER TÜRKEI UND DER NATO:
Seit unserem Beitritt im Februar 1952 ist die NATO DER Maβstab unserer Verteidigungs- und Sicherheitspolitik. Die Türkei, die ein wichtiger Verbündeter der NATO ist, betrachtet das Bündnis als den Eckpfeiler für die Sicherheit im europäisch-atlantischen Raum. Die NATO-Mitgliedschaft hat einen bedeutenden Stellenwert innerhalb der politischen Strategie der Türkei. Unser Land setzt seinen aktiven und umfassenden Beitrag zu den Einsätzen des Bündnisses entsprechend der Bedeutung, die sowohl die NATO für die Türkei als auch die Türkei für die NATO innehat, fort. In den 62 Jahren ihrer Mitgliedschaft hat die Türkei mit ihren Schritten sowohl im militärischen als auch im politischen Bereich ihre Verbundenheit zur NATO deutlich zum Ausdruck gebracht und einen wichtigen Beitrag zur Wahrung von Frieden, Sicherheit und Stabilität geleistet. In einer Region, in der die Gefahr groß ist, dass Konflikte zu offenen Kampfhandlungen werden, trägt unsere NATO-Mitgliedschaft Verantwortung, dass die Türkei eine vertrauenswürdige und starke Haltung einnimmt und eine abschreckende Wirkung ausübt. Andererseits ist auch die Türkei für die NATO ein unverzichtbarer Verbündeter. So hatte unser Land auf dem Höhepunkt des Kalten Krieges in regionaler Nachbarschaft zum Ostblock eine Schlüsselposition innerhalb der NATO. Denn indem die Türkei die Südflanke des Bündnisses schützte, hat sie einen umfassenden Beitrag zur Sicherheit und Verteidigung Europas im Allgemeinen und der NATO im Besonderen geleistet. Mit dem Ende des Kalten Krieges wurde angefangen über die Rolle und Bedeutung der NATO zu diskutieren. In gleicher Weise wurde die Rolle und Bedeutung der Türkei innerhalb dieses Bündnisses infrage gestellt. Die inzwischen vergangene Zeit und die Entwicklung der Ereignisse hat das NATO Bündnis und die Rolle und Bedeutung der Türkei noch einmal zum Vorschein gebracht. Seit dem Ende des Kalten Krieges ist unsere Welt längst nicht mehr ein sciherer Ort für die Menschheit und ein Hort des Friedens. Wir haben uns heute neuen Risiken, Herausforderungen und Bedrohungen zu stellen, die global sind und direkt vor unserer Haustür stehen. Gleichzeitig befinden wir uns in einer Phase der Weltgeschichte, in der sich weitreichende Transformationsprozesse vollziehen. Noch nie in der Menschheitsgeschichte haben sich Veränderungen so schnell vollzogen. Die zwischenmenschlichen Interaktionen waren nie so intensiv wie heute. Inmitten dieser neuartigen Gefahrenlage und diesen neuen Gelegenheiten ist die Weltgemeinschaft auf der Suche nach einer neuen politischen und sicherheitstechnischen Ordnung des Planeten.
In der Weltordnung, die sich nach dem Ende des Kalten Krieges herausgebildet hat und in der neue Risiken und Gefahren entstanden sind, geht die Türkei gemeinsam mit ihren Bündnispartnern gegen die Faktoren vor, die die Sicherheit des Bündnisses bedrohen. Als Verbündeter mit der zweitgrößten Armee in der NATO und einer mehrheitlich muslimischen Bevölkerung hat die Türkei innerhalb des Bündnisses eine ganz besondere Position. Mit diesen Merkmalen verfügt die Türkei in den Regionen, in denen sie sich mit ihren Hard- und Soft-Power-Fähigkeiten an den Einsätzen der NATO beteiligt, über einen bedeutenden Stellenwert. Unsere historischen Bindungen, brüderlichen Beziehungen und kulturelle Nähe zu Völkern und Ländern in dem weiten Gebiet von Bosnien-Herzegowina und dem Kosovo bis nach Afghanistan, in denen die NATO aktiv ist, steigern die Soft-Power-Fähigkeiten unseres Landes. Die Türkei misst der Schaffung und Wahrung von Frieden in größtmöglicher Abstimmung mit Deutschland, zu dem wir starke Bündnisbeziehungen und historische Bindungen pflegen, und den anderen NATO-Mitgliedern große Bedeutung bei.
Wie Sie wissen, ist ein aktuelles konkretes Beispiel der Zusammenarbeit zwischen der Türkei und Deutschland innerhalb der NATO-Allianz, die in der Türkei stationierten deutschen Patriot-Batterien sowie der Einsatz von circa 400 deutschen Soldaten, um der Abwehr gegen mögliche Ausschreitungen aufgrund der fortbestehenden Auseinandersetzungen in Syrien zu dienen. Die Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen war diese Woche in der Türkei und hat auch die deutschen Soldaten besucht. Sie hat bestätigt, dass die Patriot-Batterien und die deutschen Soldaten im Rahmen der Bündnissolidarität bis zum Ende des Bürgerkriegs in Syrien bleiben werden.
In Anbetracht dessen möchte ich betonen, dass die Türkei im Hinblick auf die Erhaltung der militärischen und politischen Wirksamkeit des Bündnisses jegliche Anstrengungen unternimmt und bei seinen Aktivitäten stets eine richtungsweisende und konstruktive Rolle einnimmt.
Jetzt komme ich zum Punkt

3) DIE BEZIEHUNGEN ZWISCHEN DER EU UND DER TÜRKEI:

Die Türkei hat sich schon vor langer Zeit die Mitgliedschaft in der europäischen Familie als ein strategisches Ziel vorgenommen. Und es ist nach wie vor in unserem wie auch in Europas Interesse, dass die Türkei ein starkes und aktives Mitglied in der EU ist.

Wir haben mittlerweile eine facettenreiche Beziehung mit der EU entwickelt. Diese Beziehungen weiter zu entwickeln, sollte unser gemeinsames Interesse sein. Wir teilen mit Europa die gleichen Grundwerte und allgemein auch die gleichen Interessen. Wir teilen außerdem die gleiche Zukunft und verteidigen dieselben Prinzipien und Werte. Die Beziehungen zwischen der Türkei und der EU haben eine lange Geschichte hinter sich. Die rechtliche Grundlage für unsere Beziehungen wurde durch das Ankara-Abkommen geschaffen, das im Jahr 1963 zwischen der damaligen Europäischen Wirtschaftsgemeinschaft und der Türkei unterzeichnet wurde. Für beide Seiten wurde durch eine Willenserklärung verbindlich gemacht, dass das Ziel, die EU-Mitgliedschaft der Türkei ist.

Seit 1963 bedeutet, dass es schon mehr als 50 Jahre her ist. Da war ich noch nicht einmal geplant.

Wir sind seit 1996 Teil der Europäischen Zollunion. Die EU ist unser Haupthandelspartner. Im Bereich der Investitionen sind die Beziehungen mit der EU am intensivsten. 1999 erhielt die Türkei offiziell den Status eines Beitrittskandidaten. Die Verhandlungen wurden 2005 aufgenommen. Mit der EU arbeiten wir zusammen im Bereich der Gemeinsamen Außen- und Sicherheitspolitik. Die Türkei leistet einen wesentlichen Beitrag in 3 EU-geführten Auslandseinsätzen, nämlich in Bosnien-Herzegowina (EUFOR-ALTHEA), im Kosovo (EULEX) und in Palästina (EUPOL COPPS). Bislang haben wir uns an 9 EU-Operationen und Missionen beteiligt. Wir tragen auch zu den Missionen in Mali (EUTM) und Libyen (EUBAM) bei. Interparlamentarische Kontakte zwischen dem Türkischen Nationalparlament und dem Europäischen Parlament wie auch den Nationalparlamenten der EU-Mitgliedsländer stellen eine wichtige Dimension unserer Beziehungen dar. Die EU-Beitrittsverhandlungen sind mit Sicherheit einer der Hauptaspekte und die treibende Kraft dieser Beziehungen. Wir werden auch weiterhin die notwendigen Schritte zur vollen Erfüllung der politischen wie auch ökonomischen Kriterien unternehmen. Unabhängig von der Geschwindigkeit des Beitrittsprozesses sind wir fest entschlossen, unsere Reformen weiterzuführen. Im November 2013 wurde nach 3 Jahren- also nach 6 EU-Ratspräsidentschaften- wieder ein neues Kapitel in den Beitrittsverhandlungen eröffnet. Ziel der EU war, in jeder Ratspräsidentschaft mindestens ein Kapitel zu eröffnen. Jetzt will man die Beitrittsverhandlungen nach drei Jahren Stillstand wiederbeleben. Diese Entwicklung, auch wenn etwas verspätet, ist ein „positives Signal“ und zeigt, dass die EU weiterhin den Willen und die Entschlossenheit besitzt, ernsthafte Gespräche mit der Türkei zu führen. Dabei wünschen wir uns, dass die Fortsetzung der Beitrittsverhandlungen mit der Türkei mehr sein sollte, als nur ein symbolischer Akt. Mit der Eröffnung eines neuen Kapitels ist immerhin auf beiden Seiten die Bereitschaft zu erkennen, zumindest den Gesprächsfaden nicht abreißen zu lassen. Wir hoffen, dass die festgefahrenen Verhandlungen wieder in Fahrt kommen. Dazu müssen jedoch unnötige Blockaden, die eher politischer Natur sind, überwunden werden. Wie Sie wissen, verhandelt die Türkei seit 2005 mit der EU über einen Beitritt. Es gibt insgesamt 35 Verhandlungskapitel. 15 wurden geöffnet, davon wurde allein das Kapitel Wissenschaft und Forschung vorläufig abgeschlossen. Die Eröffnung des 22. Kapitels ist ein Schritt in die richtige Richtung, aber noch lange nicht ausreichend. Wir erwarten, dass Frankreich seine Blockade der ausstehenden vier Kapitel aufgibt. Es ist wichtig, dass für die Eröffnung der verbleibenden Kapitel die erforderlichen Schritte getan werden. Insbesondere hervorheben möchte ich hier Kapitel 23 (Justiz und Grundrechte) und 24 (Justiz, Freiheit und Sicherheit), welche den Kern des europäischen Projektes darstellen. Wie bereits erwähnt, müssen unnötige politische Blockaden überwunden und eine gegenseitige Annäherung ernsthaft angestrebt werden. Die französische Regierung ist mit gutem Beispiel vorangegangen und hat ihre Blockade des 22. Kapitels aufgegeben. Die Bundesregierung hat ja bereits zum Ausdruck gebracht, dass sie so bald wie möglich auch das Beitrittskapitel 23 über Justiz und Grundrechte eröffnet sehen möchte, um auf diesem Gebiet Fortschritte zu erzielen. Wir hoffen, dass den starken und ermutigenden Worten der Bundesregierung auch Taten folgen werden. Es wäre nur konsequent in diesem Zusammenhang auch die Gespräche über das 24. Kapitel über Justiz, Freiheit und Sicherheit zu beginnen. Wir werden unseren Reformweg weitergehen und in allen Bereichen weiter ausbessern. Daran sollte kein Zweifel sein. Und falls es den EU-Regierungen tatsächlich ernst ist mit der Fortführung der Beitrittsverhandlungen, dann sollte diese Blockadehaltung endlich beendet werden.


Nun möchte ich die Frage stellen:

WAS BEDEUTET DIE MITGLIEDSCHAFT DER TÜRKEI FÜR DIE EU? WAS SIND DIE VORTEILE?

WIRTSCHAFT DER TÜRKEI


Während heute in Europa die Folgen der Wirtschaftskrise anhalten, hat die Wirtschaft der Türkei in der letzten Zeit groβe Erfolge erreicht und stark an Macht gewonnen. Die durchschnittliche Wachstumsrate in den letzten drei jahren betrug 6,7 %. Seit 2009 wurden 4,8 Millionen zusätzliche Arbeitsstellen in der Türkei geschaffen. Das Wachstum wurde in erster Linie vom Privatsektor vorangetrieben. So ist die Türkei heute die schstgröβte Wirtschaft in Europa. Für 2050 wird sogar vorausgesagt, dass sie die zweitgrößte Ökonomie auf dem Kontinent sein wird. Tag für Tag wächst das Vertrauen in das wirtschaftliche Potential der Türkei. Das Gesamtvolumen der ausländischen Direktinvestitionen in den letzten zehn Jahren hat die 120 Mrd. $-Marke überschritten. Damit ist die Türkei, was die ausländischen Direktinvestitionen angeht, weltweit auf Platz 13, d.h. sie ist einer der attraktivsten Wirtschaftsstandorte der Welt. Die Türkei bietet wichtige Investitionsmöglichkeiten und plant in den kommenden zehn Jahren in mehr als 150 Infrastrukturprojekte zu investieren. Es wird erwartet, dass etwa die Hälfte der für diese Projekte veranschlagte Summe von 300 Mrd. $ aus ausländischen Investitionen kommen werden. Als zukunftsträchtige Sektoren in der Türkei gelten neben Transport, Energie und Kommunikation auch Bereiche wie der Finanzsektor, Gesundheitswesen, Verteidigung und Raumfahrt. Insbesondere der Energiesektor bietet umfangreiche Möglichkeiten: Auf unkonventionelle Energieträger und erneuerbare Energien legen wir einen besonderen Wert und Fokus. Wir müssen uns auf die sich verändernde Energielandkarte in der Region und auf der gesamten Welt vorbereiten. Die Türkei ist eines der reichsten Länder der Welt an erneuerbaren Energien (an fünfter Stelle im Bereich geothermischer Energie, an achter Stelle im Bereich Wasserkraft). Der EU-Beitritt der Türkei wird in hohem Maße dazu beitragen, den Anteil erneuerbarer Energien am Energieverbrauch der EU zu erhöhen.
Die Türkei ist ein Energiekorridor zwischen Europa, Zentralasien und dem Nahen Osten. Mehr als 70 % der Rohöl- und Erdgasreserven der Welt befinden sich in Russland und in den Regionen des Kaspischen Meeres und des Nahen Ostens, die die Türkei umgeben. Die Energieabhängigkeitsquote der EU beträgt derzeit mehr als 50 % und wird bis 2030 voraussichtlich auf 70 % ansteigen. Die Türkei ist Teil umfangreicher Energieprojekte in ihrer Region, die bereits operieren bzw. in Vorbereitung sind, wobei sie durch die Vervielfältigung ihrer Energiequellen die Energiesicherheit der EU maßgeblich stärken wird.

Lassen Sie uns das Thema auch einmal aus der sozialen Perspektive betrachten:


Mit der jüngsten Bevölkerung Europas und einem guten Bildungsniveau wird die Türkei zu den Arbeitsmärkten und den sozialen Sicherungssystemen in den Mitgliedsstaaten beitragen und die soziale Dynamik der EU erhöhen. Die Türkei hat eine junge und dynamische Bevölkerung von über 75 Millionen Menschen mit einem Durchschnittsalter von 28,8 Jahren. Dies bedeutet, dass sich 67 % der Gesamtbevölkerung im erwerbsfähigen Alter befindet. Mit ihrer aktiven Arbeitskraft von 24,7 Millionen Menschen ist dieTürkei der viertgrößte Arbeitsmarkt Europas. Jedes Jahr absolvieren 730.000 Schüler das Gymnasium, ein Drittel von ihnen aus berufsbildenden Schulen und Fachschulen. Und fast 450.000 Hochschulabsolventen aus 143 Universitäten treten in den Arbeitsmarkt ein. Das Durchschnittsalter der EU Bevölkerung beträgt derzeit mehr als 40 Jahre und wird voraussichtlich in Zukunft wesentlich höher liegen, während die Bevölkerungszahlen nur geringfügig ansteigen werden. Voraussichtlich werden etwa 30 % der Bevölkerung bis 2025 über 65 Jahre alt sein. Die Lebenserwartung der Europäer steigt, während die durchschnittliche Fertilitätsrate sinkt. Infolge dessen wird die EU bis 2050, 48 Millionen Menschen im erwerbsfähigen Alter verlieren.

Lassen Sie uns das Thema aus der internationalen politischen Perspektive betrachten:

Als östlichste Region des Westens und westlichste Region des Ostens verfügt die Türkei aus geographischen, kulturellen und historischen Gründen über eine einzigartige strategische Lage in ihrer Region. Sie spielt eine aktive Rolle und ist glaubwürdiger Vermittler und Unterstützer in kritischen Regionen wie dem Nahen Osten, dem Südkaukasus, Zentralasiens, der Schwarzmeerregion, dem Mittelmeer und dem Balkan. Die Türkei ist ein einzigartiges Land, in dem sich eine säkulare Demokratie in einer mehrheitlich muslimischen Bevölkerung etabliert hat. Diese Besonderheit der Türkei unterstreicht die Vereinbarkeit vom Islam mit den demokratischen Werten. Der Beitritt der Türkei wird den multikulturellen Charakter der EU weiter verstärken und dem Motto “Einheit in der Vielfalt” noch mehr Bedeutung zukommen lassen. Die türkische Mitgliedschaft wird der EU aus verschiedenen Blickwinkeln eine neue Dynamik bringen und nicht nur die Union bereichern, sondern vor allem ihren internationalen Standpunkt weiter stärken.

Verehrte Gäste,

In der augenblicklichen Situation scheint der türkische EU-Beitritt noch Zukunftsmusik zu sein. Eine Gleichung mit vielen Unbekannten. Die EU geht durch eine schwierige Phase und die Diskussionen darüber, wie eine stabile EU in wirtschaftlicher aber auch politischer Hinsicht aussehen soll, gehen weiter. „Das Europa mit mehreren Geschwindigkeiten“ ist eine Formel, die immer wieder ins Gespräch gebracht wird. Die Türkei könnte einiges zu diesen Diskussionen über die Zukunft Europas beitragen, vorausgesetzt, wir werden zu diesen Diskussionen auf höchster Ebene eingeladen. Man sollte uns einladen, denn schließlich wollen auch wir entscheiden, in was für einem Europa wir leben wollen. Wir glauben an eine gemeinsame Zukunft mit den anderen europäischen Völkern, wir verfolgen dieselben Ziele, haben dieselben Träume und und trotz aller Auseinandersetzungen, vertreten wir dieselben Wertvorstellungen und Hoffnungen wenn es nämlich um die Durchsetzung von Demokratie und Menschenrechte sowohl bei uns, als auch auf der ganzen Welt geht. So gesehen ist die Mitgliedschaft in die EU eigentlich ein konsequenter Schritt auf dem langen Weg unserer Beziehungen mit dem Okzident. Wir setzen uns für das Wohlergehen unseres Landes wie auch unseres Kontinents ein, deshalb sollte der Beitritt bzw. die Aufnahme der Türkei in die Union das strategische Ziel von uns allen sein.

Es war ein langer Vortrag, aber ich hoffe, dass er informativ gewesen ist.
Ich danke Ihnen für ihre Aufmerksamkeit!

Pazartesi - Cuma

08:30 - 14:00


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